NaturVision: 2007 kommt der KlimawandelMotto für die nächste Auflage vorgestellt -
»Reise der Störche« wurde als doppelter Preisträger ausgezeichnetvon Ursula Langesee.
Neuschönau. Der Höhepunkt des
fünften Natur- und Tierfilmfestivals NaturVision war am Samstagabend die Preisverleihung im Filmsaal des Hans-Eisenmann-Hauses. 31 Produktionen konkurrierten in dem internationalen Wettbewerb miteinander (Preisträger siehe Kasten). Ein Film konnte die begehrte Trophäe gleich doppelt einheimsen:
»Die Reise der Störche« (Teil 1 und 2) mit der Störchin »
Prinzesschen« in der Hauptrolle. Die »Störche« gewannen den
Publikumspreis und in der Kategorie »
Bester Deutscher Film«. Auch das Thema des nächsten Festivals wurde bekannt - der Klimawandel.
Die Festivalleiter Ralph Thoms und Silke Kraus führten durch den Abend. Sie begrüßten u. a. im Publikum Bezirkstagsvizepräsident Anton Jahrstorfer, Landrat Alexander Muthmann, die Bürgermeister Heinz Wolf (Neuschönau), Peter Kaspar (Freyung) und Stanislava Chumanova (Winterberg), Nationalparkleiter Karl Friedrich Sinner, Hubert Weinzierl, Präsident des Deutschen Naturschutzrings, Dana Biskup von der Euregio und Georg Steiner, Geschäftsführer des Tourismusverbandes Ostbayern.
Kein Schutz für
unsere Wildtiere?74 Filme wurden beim Natur- und Tierfilmfestival mit dem Spezialthema »Vorbild Natur« gezeigt, sagte Thoms. Der Eröffnungsfilm »Klassenfahrt ins Revier der Wilderer« wollte die Diskussion dazu anregen, wie unterschiedlich Naturschutz gesehen werde. »Wir setzen uns für Tiere in Afrika und Indien ein, lassen aber einheimischen Wildtieren - das zeigt der Fall Bruno - nicht diesen Schutz angedeihen. Dieses Verhältnis sollten wir überdenken«, regte der Festivalleiter an.
Die ersten Preisempfänger sollten Schüler sein, die beim Filmwettbewerb »Bionik« mitgemacht haben. Sechs Schülerteams aus Waldkirchen, Budweis und Freyung hatten fünf Tage Zeit, um mit der Kamera ein Thema umzusetzen. »Die Jugendlichen haben viel Fantasie und Kreativität walten lassen. Es sind spannende Filme herausgekommen, die unsere Erwartungen weit übertroffen haben. Von einem Quiz bis zum Horrorfilm war alles dabei«, lobte Kraus. Die Crux war nur: alle sechs Filme sind gleich hervorragend. Deshalb bekommt jedes der sechs Teams eine Trophäe, die aber erst am 7. Oktober im Rahmen von »Faszination Natur« in Freyung überreicht wird. Als kleinen Preis vorweg gab es für die anwesenden Schüler das neue Buch »Faszination Bionik« von Jurymitglied Kurt G. Blüchel.
»Rundum gelungen« - so das Urteil der Jury - sei der Film »Willi wills wissen - So geht's zu im Taubenschlag«, der in der Kategorie »Bester Film im Kinderprogramm« gewann. Bürgermeister Wolfs Enkelin Anna Lena durfte den Preis an Redakteur Andreas Reinhardt vom Bayerischen Rundfunk übergeben. Opa Wolf las die Jurybegründung vor.
Der Wissenschaftspreis, der neu aufgenommen wurde, sei für jene Filme gedacht, die wissenschaftliche Themen präzise und anschaulich greifbar werden lassen, erklärte Thoms. Dem 7,5-Minuten-Streifen »Hornissen« sei dies mit seinen faszinierenden Einblicken in das Leben der Wespenart gelungen.
Nachwuchs für
»Störche«-RegisseurinWelcher von 19 internationalen Wettbewerbsfilmen hat die Herzen des Publikums erobert? Dieses Geheimnis lüftete Bürgermeister Kaspar, aber er machte es spannend wie bei der Oscar-Verleihung. Nach imaginärem Trommelwirbel und Spot, verkündete der Freyunger Rathauschef: »Es ist
die Reise der Störche«. Dabei folgten das
ZDF-Filmteam und
zwei Ornithologen der mit einem Peilsender ausgerüsteten Störchin »
Prinzesschen« auf ihrem abenteuerlichen, 10 000 Kilometer langen Weg
von Sachsen-Anhalt nach Südafrika.
»Ich bin ganz platt. Damit hätte ich nie gerechnet«, freute sich
Regisseurin Dr. Katja Schupp über den Preis. Noch größer war für sie die Überraschung, als die »Störche« neben dem Publikumspreis auch in der Kategorie »Bester Deutscher Film« gewannen. Und sie verriet etwas, was eigentlich bei der monatelangen Beschäftigung mit Meister Adebar nicht verwunderlich ist - dass sie Mutter der gut einjährigen Johanna sei.
Über den Publikumspreis durfte sich auch ein Zweiter freuen, denn gleichzeitig war für die Besucher ein Gewinn ausgelobt worden. Ein Wellness-Wochenende in einem Hotel in St. Oswald gewann Philipp Paster aus Neuschönau.
Großen Wert legt NaturVision auf die Medienarbeit. Deshalb gibt es neben dem umfangreichen Schulprogramm und den Medienworkshops von Anbeginn eine interkulturelle Jugendjury mit jungen Leuten aus Deutschland und Tschechien. Anna Weinberger aus Regen, Petra Toncarova aus Budweis und Valentin Veit aus Hauzenberg vergaben den Preis der Jugendjury an »Der Kontinent (Teil 1) - Die Geburt Europas«. Sie lobten die eindrucksvolle Animation und die exzellente Kameraführung bei dem spannenden Ausflug in die Urgeschichte unseres über drei Milliarden Jahre alten Kontinents.
Das Herzstück der Preisverleihung waren die Nominierungen für den internationalen Dokumentarfilmwettbewerb. Aus mehr als 130 eingereichten Filmen hatte die Vorjury 19 Streifen für den Wettbewerb ausgewählt. Die Hauptjury mit Dr. Hermann Barth, künstlerischer Leiter des Int. Dokumentarfilmfestivals München, Dr. Kay Hoffmann, Filmpublizist und Filmhistoriker, und Reporterin und Redakteurin Christine von Preyss hatte die Qual der Wahl.
Beim Preis für das beste Drehbuch konnte sich die »Wunderbare Welt der Pilze« knapp vor »The King Kobra and I« behaupten. Karlheinz Baumann nahm die Trophäe von Landrat Alexander Muthmann entgegen. Die außergewöhnliche Erzählperspektive und die unkonventionelle Dramaturgie hätten die Jury überzeugt.
Königskobras sind international »top«Der Film über die Königskobras in Südindien blieb dennoch im Rennen und bekam das Prädikat »Bester Internationaler Film« verliehen. Mit der »Besten Kamera« wurde der Film »The Queen of Trees« ausgezeichnet. Er zeigt die außergewöhnliche Symbiose zwischen einem afrikanischen Feigenbaum und seinem Untermieter, eine Feigenwespe.
Zum Schluss kündigte Thoms das Thema für NaturVision 2007 an. Es ist der Klimawandel. Wie präsent der schon 2006 ist, zeigte sich an den Besuchern, die schweißüberströmt aus dem kaum klimatisierten Filmsaal flohen und dankbar der Kühle im Innenhof entgegen eilten.
Quelle: Lokalteil Freyung:
http://www.pnp.de/freyung